Millionen für verletzten Owen. Und für die anderen?

“Newcastle United feiert einen 10 Millionen-Sieg”, titelte gestern der Daily Express den Bericht über die Einigung im Streit um Kompensationszahlungen für die Knieverletzung von Michael Owen, die er vor etwa einem Jahr beim WM-Spiel England – Schweden (2:2) erlitten hatte. Der Stürmer von Newcastle United fiel dadurch beinahe die gesamte Saison 2006/07 aus. Zunächst hatte die Football Association (FA) durch ihre Versicherung für 10 Monate einen Teil von Owens Gehalt übernommen (£ 50.000 von Owens “£110,000-a-week wages”) . Dem Verein war das aber zuwenig. Man argumentierte nicht nur mit Owens höherem Gehalt, sondern führte auch die Notwendigkeit des Transfers von Obafemi Martin von Inter Mailand, der Newcastle £ 10 Mio. gekostet habe, wie auch die hohen medizinischen Behandlungskosten ins Treffen.
Nun soll sich auch der Weltfußballverband (FIFA) bereit erklärt haben, aus einem anlässlich der WM 2006 dotierten Fonds für schwere Verletzungen bei WM-Spielen einen Beitrag zu leisten. Die FIFA hatte sich zunächst dagegen gewehrt, einem Klub aus der reichsten Liga der Welt Gelder aus diesem Fonds zukommen zu lassen, dann eine Million £ geboten und besteht auch jetzt darauf, dass die von Newcastle-Chairman Freddy Shepherd genannte Summe von £ 10 Mio. zu hoch gegriffen sei: es handle sich nur um £ 6 – 7 Mio., weil die Hälfte von Owens Gehalt durch Newcastles eigene Versicherung übernommen werde.
Bei Newcastle – die Michael Owen nur in drei Premier League-Spielen einsetzen konnten und die Saison auf dem 13. Platz beendeten – sieht man die erzielte Einigung, um die monatelang gekämpft wurde, als Akt der Gerechtigkeit.
Gerecht wäre es aber nur, wenn auch andere Klubs eine entsprechende Entschädigung für Langzeitverletzte erhielten, die sich ihre Blessuren “on international duty” zuzogen, wie z.B. West Hams Dean Ashton. West Hams “record signing” hatte sich im Training für Englands Freundschaftsspiel gegen Griechenland im August 2006 am Knöchel verletzt und konnte in der abgelaufenen Saison kein einziges Mal eingesetzt werden.
Ohne entsprechende Absicherung für die Vereine werden diese nämlich zunehmend weniger Lust haben, ihre teuer bezahlten Spieler für Länderspiele abzustellen, von denen sie vielleicht verletzt zurück zum Klub kommen und diesem längere Zeit nicht zur Verfügung stehen. Die Ehre einer Nationalteamberufung sollte kein Drahtseilakt ohne Netz sein.

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