Kein Mitleid mit dem österreichischen Teamchef

Die Kommentare von Martin Blumenau (fm4) zum Zustand der österreichischen Nationalmannschaft und ihres Trainers “Happy Hicko” lese ich wirklich gerne. Und heute hat er in Bezug auf die von vielen Fans – zumindest den “Anglophilen” unter uns – herbeigewünschte Rückkehr von Paul Scharner ins Team wieder einmal den Nagel auf den Kopf getroffen.
Man muss wissen, dass sich Teamchef Pepi Hickersberger (r.) am 9. März mit Paul Scharner in England getroffen hat und dabei – wegen des anwesenden ÖFB-Conditioning-Coaches Roger Spry in wahrscheinlich mostviertlerisch gefärbtem Englisch – verlauten ließ: “The door was closed and is now opening.”
Dass Scharner im Teamkader für das heutige Holland-Spiel nicht dabei war, war nicht wirklich überraschend, hatte doch Hickersberger nach dem Gespräch über den ÖFB verlautbaren lassen, ein Comeback Scharners bei der EM sei unwahrscheinlich, sofern nicht “außergewöhnliche Umstände” einträten. Scharner als Option für einen “Plan B” sozusagen.
Nun fallen aber zwei Mann in Österreichs defensivem Mittelfeld aus. Rene Aufhauser (Red Bull Salzburg) fehlte schon im Kader, Martin Stranzl (Spartak Moskau), der diesmal aus der Innenverteidigung hätte vorgezogen werden sollen, musste am Montag verletzt ausscheiden. Wäre nicht gerade das die Situation, in der man ausprobieren könnte, ob ein Paul Scharner helfen kann (auch wenn er zuletzt bei Wigan ganz hinten und nicht im defensiven Mittelfeld spielte)?

Martin Blumenau:
“Oft hingegen habe ich wenig Verständnis, fast so gar kein Mitleid mit Josef Hickersberger, dem bereits angesprochenen Teamchef. Wenn er etwa nicht den Mut aufbringt, seinen Plan B fürs Holland-Spiel wirklich durchzuziehen.
Er wollte ja einen der beiden internationalen Defensiv-Allrounder von Europa-Klasse im zentralen Mittelfeld probieren (wo ihm der seit Monaten eh völlig danebene Aufhauser verletzt ausfällt). Martin Stranzl sollte diese vielleicht wichtigste zentrale Rolle des modernen Spiels (den Frings, den Gattuso, den Mascherano …) ausfüllen – jetzt fällt er verletzt aus. Und der Plan B dieses Plan B, der vor ein paar Tagen wieder dezent ins Spiel gebrachte Paul Scharner, den traut sich Hicke jetzt (am Montag wusste er vom Stranzl-Ausfall) nicht ins Spiel zu bringen.
Man könnte sagen, dass das vorsichtig ist, weil Hicke Angst vor den Reaktionen von sensiblen Spielern wie Ivanschitz hat; man könnte auch sagen, dass es feig ist, dass dieser Ausfall die kurzfristige Chance gebracht hätte, die Scharner-Rückkehr komplett überraschend und schmerzfrei über die Bühne zu bringen. Diesen Mut hatte Hickersberger leider nicht.
Er wagte es nicht einmal den Sturm-Spieler Mario Kienzl, der diese Position spielen kann und seit einiger Zeit sehr sehr gut spielt (noch dazu neben Jürgen Säumel, der auch im Team der aktuelle Partner wäre), nachzunominieren – obwohl es auch hier Vorabsprachen gab. Auch diesen Mut hatte Hicke nicht. Leider. Hicke setzt auf personelle Kontinuität um einen Burgfrieden zu perpetuieren. Sowas wäre in den Trainingslagern im Mai wichtig – jetzt kann man noch Risiko gehen. Aber über diesen Schatten springt der Teamchef nicht. Und kann deshalb kein Verständnis erwarten.”

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