Österreich: Ein inspirierter Kader schaut anders aus

Hickes Euro-Kader hat auf mich alles andere als euphorisierende Wirkung.
Nach Helge Payers krankheitsbedingtem Ausfall und dem Achillessehnen-Riss von Rapid-Trainer Pacult musste ich gestern noch Roman Kienasts Tor für Österreich verdauen. (Denn mit diesem Treffer war ja klar, dass er heute bei der Kaderbekanntgabe dabei ist.) Auch wenn Romans Onkel Reinhard einmal mein Lieblingsspieler beim SK Rapid war, vom Neffen halte ich herzlich wenig.
Obwohl man beim Ländermatch gegen Nigeria deutlich gesehen hat, dass niemand da ist, der die Flanken eines schnellen Flügelspielers (wie Ümit Korkmaz oder auch Martin Harnik) verwerten wird, nominiert Hicke keinen echten “Langen” für den Angriff, sondern einen Carlton Cole-Verschnitt aus der 2. norwegischen Liga.
Dafür sind unzählige Innenverteidiger im Kader. Anlässlich der Nichtberücksichtigung des immerhin neuntbesten Premier League-Verteidigers hatte es noch geheißen, in der Innenverteidigung seien wir bestens besetzt und würden Scharner nicht brauchen. Auch wenn Jürgen Patocka von Rapid eine tolle Bundesliga-Saison gespielt hat und Martin Hiden, der bei Rapid übrigens kein Leiberl mehr hatte, nachdem Patocka und Tokic die Innenverteidigung bildeten), sympathisch und außerdem auf der McDonalds-Werbung drauf ist – ich hätte auf die beiden gerne verzichtet, wenn stattdessen Scharner und Maierhofer (oder von mir aus auch Janko) im Kader wären.
Man hätte auch einen Joachim Standfest, Christian Fuchs oder Rene Aufhauser (offenbar alles “untouchables” bei Hicke) oder auch den Markus Katzer nicht berücksichtigen können, um den österreichischen Angriff gefährlicher zu machen. Nun fehlt eindeutig ein Kicker, der nicht nur bei Standards – wie Innenverteidiger Sebastian Prödl – sondern bei schnellen Kontern für einen gefährlichen Kopfball gut ist.
Für mich ist diese Kaderzusammenstellung eine echte Euphoriebremse. Das schnelle Konterspiel, das gegen Deutschland und Holland immerhin jeweils eine Stunde lang geklappt hat, hätte für einen echten “Langen” wie Maierhofer genau gepasst. Wenn’s in der wahrscheinlichen Stammformation mit Linz/Hoffer nicht laufen sollte (und das ist gar nicht so unwahrscheinlich), dann hätte man den Rapid-Langen einwechseln können und der hätte nochmal ordentlich Gas gegeben.
Und wen wechseln wir jetzt ein, wenn’s gegen Kroatien oder Polen in der zweiten Hälfte 0:1 steht? Kienast? Christoph Leitgeb? Oder vielleicht Ivica Vastic?
Der defensiv ausgerichtete Kader schaut so aus, als ob Hicke nicht hoch verlieren wollte. Auch wenn ich Hicke selbst mit seinen trockenen Gags und seiner Ironie zeitweise durchaus inspirierend finde – ein inspirierter Kader schaut anders aus…

Post a Comment

Your email is never shared. Required fields are marked *

*
*