Tevez-Affäre: Kommt ein Vergleich?

Nachdem der isländische (Ex-)Banker auf dem Präsidentensessel von West Ham United schon früher zwei unangenehme Rechtsstreitigkeiten im Vergleichsweg bereinigt hat (mit Kia Joorabchian auf einem Nebenschauplatz der Carlos-Tévez-Affäre und mit dem Ex-Präsidenten Terence Brown), wird nun offenbar intensiv über ein “out-of-court-settlement” mit Sheffield United nachgedacht.
Die Daily Mail meldete “exklusiv”, dass Sheffield United erwäge, die Causa Tévez mit einer Zahlung von £25 Mio zu den Akten legen zu wollen, nachdem bisher ein Schaden von £30 Mio für den Abstieg und £20 Mio für die mittlerweile laufende zweite Saison in Liga 2 veranschlagt gewesen war.
Die Times meint dagegen, £10 bis £15 Mio plus Ersatz der Vertretungskosten seien wahrscheinlicher, denn die mittlerweile bekannt gewordenen Bilanzen von Sheffield United weisen bloß ein Umsatzminus von £8 Mio für den Fußballbereich und ein Gesamt-Umsatzminus von £12 Mio aus, was im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von £3,5 Mio zur Folge gehabt habe. Im letzten Jahr in der Premier League habe man dagegen, so Sheffield-Chairman Kevin McCabe, einen Gewinn vor Steuern von £2,7 Mio gemacht.
Betrachte ich diese Zahlen, scheint mir das Sheffield-Vergleichsangebot, das über die Daily Mail ventiliert wurde, um den Faktor 10 zu hoch gegriffen. £2,5 Mio als entgangener Gewinn für eine Saison würden wohl auch reichen – zumal für das zweite Jahr in der 2. Liga Carlos Tévez und West Ham United sicher nichts können. In der Football League Championship beendete Sheffield die Saison 2007/08 auf dem neunten Platz.
Ein Vergleich würde es dem in finanziellen Nöten befindlichen West Ham-Eigentümer Björgólfur Guðmundsson (Bild) ermöglichen, den Klub zu verkaufen – denn solange ein Rechtsstreit dieser Dimension anhängig ist, werden potentielle Investoren zögern, einen fairen Preis für den Klub zu bieten.
Gudmundsson, bis vor Kurzem der zweitreichste Mann in Island, hat West Ham im November 2006 für £85 Mio (knapp 109 Millionen Euro) übernommen, muss aber nach substanziellen privaten Geschäftsverlusten – seine isländische Landsbanki wurde vom isländischen Staat übernommen und aus dem Konkurs des West Ham-Sponsors XL drohen Millionenhaftungen – trachten, sich finanziell wieder zu sanieren.

Links: -> Familie Guðmundsson und die isländische Kreditblase (fm4)
-> Who’s who in West Ham (KUMB)
-> Sheffield United: Double Standard for West Ham and Iain Hume (Daily Mirror)

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