What a Night at the Villa!

August 1978, Euphorie im ehrwürdigen (noch alten) Old Trafford, Backsteinromantik, die Spieler laufen auf. ManU gewohnt in Rot-Weiß und – ich traue meinen Augen nicht – der Gegner in Dressen, die für meine “kontinentalen” Augen eine Zumutung waren:
Weinrote Bodies, mit hellblauen (?!) Ärmeln (Claret and Blue, wie ich später lernen sollte).
ManU gewann an diesem Tag, meine Sympathien jedoch landeten beim Gegner – Aston Villa!
Zunächst aus Mitleid über die “skurillen” Klubfarben, später wegen der Tradition, ähnlich meinem eigentlichen Verein: RAPID WIEN. Seitdem ist Birmingham meine englische “Fußballheimat”.
Aston Villa, 1874 gegründet, wurde in den ersten zwölf Jahren der englischen Liga 5 Mal Meister. 3 Jahre nach meiner Begegnung, 1980, zum vorläufig letzten Mal.

August 2009: Ein Traum wurde war, als uns das Los heuer eben diese “Claret and Blues” als Gegner zudachte.
Allerdings keine Spur von Unentschlossenheit, mein Blut ist grün (und nicht weinrot), aber umso größer war die Freude auf dieses Duell.
Das Heimspiel war sensationell, das 1:0 schmeichelte den Briten, ein höherer Sieg für Rapid hätte dem Spielverlauf eher entsprochen. Noch Tage danach war in Villas Fanforen über die einzigartige Stimmung im Hanappi zu lesen. Mein Lieblingskommentar: “Jesus, their Fans are from somewhere”!
2 Tage vor dem Rückspiel kamen Aufrufe übers Internet, die Leute mögen doch zum Spiel kommen und ähnliche Stimmung erzeugen, wie die in Wien.
Die in Wien, die sind und bleiben unerreicht: 1.200 davon ergatterten Flugtickets in vier Jumbos, andere kauern 44 Stunden in Bussen, Autos und Bahn. Keine Strapazen könnten zu groß sein, um nicht das Unerwartete doch noch möglich zu machen: Zum ersten Mal in der Fußballgeschichte österreich-englischer Duelle einen Sieg für den Underdog zu erringen. Dafür würde ich sogar mein weinrotes Herz für einen Tag stilllegen.

-> Seit Tagen schon ein flaues Kribbeln im Solar Plexus. Tagwache Donnerstag 4:00 morgens – Flughafen Schwechat, ein Meer grüner Männchen – nicht vom Mars, nein, aus Hütteldorf. Die Organisation außerirdisch klaglos, unaufgeregt, amikal – eine große Familie eben.
Die erste freudige Überraschung nach der Ankunft: Andi Marek begrüßt uns vor dem Flughafengebäude – persönlich – mit Handschlag – JEDEN einzeln, alle 1200 Passagiere aus Wien. Bei welchem Verein wird das wohl noch so gehandhabt ?

Den Tag verbringen wir chillig in Downtown Birmingham, wir wandern von deutschem zu englischem Bier und wieder zurück – in Maßen genossen ein äußerst gesundes Nahrungsmittel. Als Zeitvertreib befahren wir mit sogenannten Longboats die unerwartet zahlreichen Kanäle der Stadt. Alle paar Meter eine grüne Fangruppe – man grüsst einander, wenns sein muss auch mehrmals am Tag und gibt Tipps zu diversen Attraktionen.
Am Nachmittag nimmt die Spannung merklich zu. Die “Brums” sind (für einen Wiener) ungewohnt freundlich und von der Oma mit Enkelkind bis zum Kahlkopf-Hardcore-Villian gehen alle sehr offen auf uns zu.

Beim “Prince-Of-Wales” Pub ist dann um 18:00 Treffpunkt. Einige feiern bereits drinnen den erhofften Sieg – man wird ihnen das meiste, das danach geschah, später nacherzählen.
Wir werden in einer fast kilometerlangen Buskolonne unter Einsatz etlicher Motorradpolizisten zum Stadion gebracht – ganz Birmingham scheint für uns anzuhalten.

Der Ground ist typisch englisch: Steile Sitzreihen, die man über ca. 40cm breite Sperren und enge Stiegenhäuser erreicht. Die Überdachung verleiht sogar kleineren Fangruppen einen adäquaten “Roar”. Dieses Phänomen wird heute aber nur von einer Fangemeinde richtig genutzt – von der der Gäste. Wir singen, klatschen und springen weit länger als ein Spiel dauert, was die Stimmbänder, Handflächen und Sprungmuskulatur eben hergeben.
Trotzdem ist noch eine Steigerung möglich als die Mannschaft zum Aufwärmen das Spielfeld betritt.
In diesen Minuten beginne ich etwas zu ahnen – ein “heiliger Schauer” nimmt mir den Atem und treibt mir die Tränen ins Gesicht. Entgegen meinen Gewohnheiten gebe ich mein “Wissen” an Freunde preis und, soviel vorweg, es tritt fast auf die Minute genau ein.

Den Spielbericht kann man den Sportmedien entnehmen – ich spare Zeilen – nur das Eine:
Es war der Tag, der Helden schafft und Legenden bildet – wir wurden Augenzeugen!!!
Und auch das scheint mir erwähnenswert: Ohne die “Nummer 12″ am Upper Doug Ellis Stand wäre es an diesem Tag ziemlich sicher nicht geschehen.
Posted by rapidvillian at 27.8.09

Herzlichen Dank, Alfred, für den Bericht !!!

-> Fotos

4 Comments:

  1. RapidHammer said...

    Europa League-Gruppenauslosung 27.8.09:Group CHamburgCelticHapoel Tel-AvivRapid Vienna

    Posted August 28, 2009 at 2:46 PM | Permalink
  2. RAPIDHAMMER said...

    http://villansworldwide.net:"Well done to Rapid. Their fans never stopped singing and drumming the entire match, while the Villa fans in a half empty Villa Park gave a good impression of mice."

    Posted August 28, 2009 at 2:49 PM | Permalink
  3. RapidHammer said...

    Die Spieltermine im Überblick: 1. Spieltag: 17.9./19:00 Uhr: SK Rapid – HSV2. Spieltag: 1.10./21:05 Uhr: Celtic – SK Rapid3. Spieltag: 22.10./21:05 Uhr: Hapoel Tel Aviv – SK Rapid4. Spieltag: 5.11./19:00 Uhr: SK Rapid – Hapoel Tel Aviv5. Spieltag: 2.12./21:05 Uhr: HSV – SK Rapid6. Spieltag: 17.12./19:00 Uhr: SK Rapid – Celtic

    Posted August 28, 2009 at 3:28 PM | Permalink
  4. RapidHammer said...

    WICHTIG: Genauere Informationen zu Kartenpreisen und in welchem Stadion Rapid seine Heimspiele absolvieren wird, werden ab Mittwoch bekannt gegeben.

    Posted August 28, 2009 at 3:29 PM | Permalink

One Trackback

  1. By 3 Years. 1356 Posts. | RAPIDHAMMER on May 25, 2010 at 6:01 AM

    [...] für mich einen Matchbericht vom Upton Park und Freund Alfred (dem ich schon lange verbunden bin) berichtete live aus Birminghams Villa Park. Und nicht zuletzt gibt es da den Twitter Account, über den man mit [...]

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