Die grüne Viertelstunde

Die Mannschaft von Rapid Wien machte mit drei Toren in der letzten Viertelstunde beim 3:1 in Kärnten ihrem Trainer Peter Pacult am Mittwoch ein – nicht mehr erwartetes – Geburtstagsgeschenk (bis zur 81. Minute hatte Austria Kärnten 1:0 geführt). Nach Verlustpunkten ist Rapid nun schon Tabellenführer in der österreichischen Bundesliga und weist auch das beste Torverhältnis auf (+18).

Rapid Viertelstunde – höchst aktuell
Eine aktuelle Statistik der Zeitung ÖSTERREICH zeigt, dass die “Rapid-Viertelstunde” heuer fröhliche Urständ’ feiert. Nicht nur in Kärnten fielen Tore in den letzten 15 Spielminuten, insgesamt 13 von 29 Saisontoren erzielte Rapid in der immer pünktlich in Minute 75 eingeklatschten Viertelstunde.
Tore in der “Rapid-Viertelstunde”, in der die Fans schon seit den Frühzeiten des vor 110 Jahren gegründeten Vereins die Spieler mit rhytmischem Klatschen noch einmal auffordern, ihr Bestes zu geben – bestes Zeichen für die “never say die-attitude” der kampfkräftigen Grün-Weißen aus Hütteldorf!

Seit 1919 – oder noch länger
Die Geburtsstunde der in aller Welt bekannten “Rapid-Viertelstunde” wird meist mit 1919 angegeben. In der Rapid-Chronik von Roland Holzinger heißt es:
“Das Jahr 1919 hatte für die Hütteldorfer historischen Charakter, denn damals
wurde die Rapid-Viertelstunde geboren! Man weiß nicht mehr, bei welchem Spiel es
war, aber eines Tages hallte das tatkmäßige Klatschen eine Viertelstunde vor
Spielende von den Rängen und tausende Hände feuerten ihre Spieler an, für einen
effektvollen Abschluss zu sorgen. Der Rapidgeist hatte eine großartige
Anerkennung gefunden!”

Die offizielle Website des österreichischen Rekordmeisters vermerkt aber, dass der Begriff “Rapid-Viertelstunde” tatsächlich sogar noch einige Jahre älter sein dürfte, denn bereits in der ersten Meisterschaftssaison 1911/12 gab es einige Spiele, die erst im Finish entschieden wurden und auch in den Zeitungen war in den Folgejahren immer wieder schon von einer “berühmten Viertelstunde” der Grün-Weißen die Rede. So erzielte Rapid-Stürmer Gustav Blaha im Meisterschaftsschlager gegen den hohen Favoriten WAF am 29. Oktober 1911 in der 75. Minute den 2:1-Siegestreffer. Auch im Rückspiel gegen den WAF, am 16. Juni 1912 auf der Pfarrwiese, fiel das Rapid-Tor zum Ausgleich von 1:1 erst zehn Minuten vor Schluss durch Leopold Grundwald. Ebenso beim letzten Meisterschaftsspiel der Saison zwischen Rapid und Cricket am 30. Juni 1912: Bis zur 84. Minute stand es 1:1, ehe Heinrich Krczal und Josef Schediwy noch auf 3:1 stellten und damit den ersten Meistertitel für Rapid fixierten.

Von 1:5 auf 5:7 – Der Uridil macht’s möglich
Ein besonders leuchtendes Beispiel der “Rapid-Viertelstunde” finden wir im Jahr 1921: In einem Wiener Derby gegen den Wiener AC am 10.4.1921 lag Rapid schon mit 1:5 im heimischen Stadion hinten, zur 75. Minute immer noch mit 3:5. Doch dann folgte eine legendäre Rapid-Viertelstunde und am Ende hieß es 7:5 für Rapid Wien – Torschütze aller sieben Treffer in diesem Spiel auf der Pfarrwiese: Pepi Uridil, der Rapid-Star der Zwanzigerjahre. Über ihn gab es sogar einen eigenen Schlager – den sogenannten Foot-ball-walk “Heut spielt der Uridil”:
“Heut spielt der Uridil, Uridil, Uridil!
Man kann sagen, was man will,
so wundervoll trifft keiner mehr ins Goal!
Jawohl!”

Eine Theorie, die ich zur Rapid-Viertelstunde einmal gehört habe, besagt, dass man fünfzehn Minuten vor Spielende auch jene Zuschauer, die sich keine Eintrittskarte leisten konnten, ins Stadion gelassen hat – und das sind wohl besonders in den Jahren der Wirtschaftskrise in der Zwischenkriegszeit nicht wenige gewesen. Und so hätte der “Arbeiter Sportklub” Rapid in der letzten Viertelstunde auf einen noch stärkeren Anhang zählen können.

Untrennbar mit Rapid verbunden
Wie auch immer, selbst wenn es natürlich nicht in jedem Spiel gelingt, dass der Sieg in dieser Phase herbeigeführt wird – und Rapid oft auch schon vor Minute 75 führt – die Tradition hat sich bis heute bewahrt.
Und das Einklatschen der letzten 15 Minuten ist nicht nur seit fast einem Jahrhundert ein fixer Bestandteil jedes Rapid-Spiels, die “Rapid-Viertelstunde” ist gerade auch heuer wieder untrennbar mit Rapid verbunden.
Also: Auf geht’s Rapid, kämpfen und siegen!
Auch nächsten Donnerstag in der Europa League gegen Tel Aviv im Wiener Ernst Happel-Stadion!

One Comment:

  1. Max said...

    Schöner Beitrag!Auch ich konnte die Rapid-Viertelstunde in diesem Jahr – dank Sky – bereits kennen lernen. Schien mir ein etwas eigenartiges Ritual, jetzt weiß ich auch mal, was dahintersteht!

    Posted October 30, 2009 at 10:59 AM | Permalink

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