TV-Bosman ante portas ?

Karen MurphyIn zwei Vorabentscheidungsverfahren, über die beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg morgen, 5. Oktober um 9:30 Uhr, die mündliche Verhandlung durchgeführt wird, steht das System der exklusiven Sportübertragungsrechte  auf dem Prüfstand. Karen Murphy, Pub-Betreiberin in Portsmouth (Bild: BBC) hat für ihr “Red White and Blue” den TV-Vertrag mit SKY SPORTS gekündigt und stattdessen via Satellit einen – wesentlich billigeren – griechischen TV-Sender benützt, um Premier League-Spiele in ihrem Pub zu zeigen.

“I think you’ll find that most publicans will try and find another way of showing football. In fact quite a lot of them do. I think it’s only the larger chains that can afford to pay the Sky prices. A lot of pubs have taken Sky out – they simply can’t afford it,”

begründete Ms. Murphy gegenüber BBC ihre Entscheidung, die Fußballübertragungen des griechischen Broadcasters NOVA in ihrem Pub zu zeigen.

Das Verwenden der ausländischer Satellitenkarte brachte sie aber in Konflikt mit dem britischen Urheberrecht, das solche Fußballübertragungen nur durch den autorisierten Sender Sky Sports erlaubt, auch wenn das Frau Murphy wie folgt kommentiert:

“I think it’s a greedy private company trying to dictate to the small people what they can and can not do, purely for profit.”

In den gegen Frau Murphy daraufhin geführten Verfahren hat der zuständige High Court of Justice (Chancery Division) den Europäischen Gerichtshof angerufen, um abzuklären, ob die britische Rechtslage den gemeinschaftsrechtlichen Prinzipien der Warenverkehrs- und Dienstleistungsfreiheit widerspricht und den freien Wettbewerb behindert.

Sollte die Entscheidung im Sinne von Karen Murphy ausfallen, so könnte das den Wert der Übertragungsrechte drastisch verringern – oder dazu führen, dass die Abonnement-Entgelte auch in “Billigländern” hinaufgehen! Auch der im Zusammenhang mit diesem Fall immer wieder zitierte “Bosman case”, der zu einer Umwälzung des Kicker-Transfermarkts in Europa geführt hat, hat ja im Endeffekt nicht dazu geführt, dass Fußballer zu Arbeitnehmern “wie du und ich” geworden wären.

Auf den Ausgang des Rechtsfalles darf jedenfalls nicht nur der interessierte Fernsehzuschauer, sondern auch derjenige, der lieber Live-Fußball konsumiert, gespannt sein. Denn eine massive Entwertung der Übertragungsrechte würde sich auf allen Ebenen des Fußballbetriebes auswirken!

One Comment:

  1. Ste said...

    Momentan werden viele Szenarien heraufbeschwört: Hier ein funktionierender paneuropäischer Sender, dort ein Zusammenbrechen der gewohnten Sendekultur, andernorts wiederum eine bessere Übertragung für weniger Geld: Ich lass mich einfach überraschen. Wobei ich gegen den dritten Vorschlag als leidgeprüfter Kunde von Sky Deutschland nichts einzuwenden hätte.

    Posted October 6, 2010 at 5:10 PM | Permalink

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