Football’s Coming Home 2018?

Englands Bewerbungskampagne für die Austragung der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ist in vollem Gange. Im Dezember stehen die Auswertung der Bewerbungsdossiers und die endgültige Entscheidung der FIFA bevor.

Von Magdalena Ehnes

Die beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022 werden dabei gleichzeitig vergeben. England bekundete im Januar 2009 erstmals sein Interesse und entschloss sich, sich um beide Endrunden zu bewerben, legte den Fokus jedoch auf die Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft 2018.

Nun steht das Ende der 24-monatigen Bewerbungsphase unmittelbar bevor. Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung sind ungefähr 16 WM-Stadien mit mindestens 40.000 Plätzen für die Gruppenspiele und 80.000 für Eröffnungsspiel und Finale. Auch im Hinblick auf Trainingseinrichtungen, Unterkünfte, Verkehrssystem, Sanitätsdienste, Sicherheit u.ä. muss die Bewerbung den FIFA-Ansprüchen genügen.

Aufgrund des kontinentalen Rotationsprinzips und da bisher mindestens jede zweite Weltmeisterschaft in Europa stattfand und durch die Turniere 2010 (Südafrika) und 2014 (Brasilien) erstmals zwei aufeinanderfolgende Endrunden außerhalb Europas stattfinden, wird davon ausgegangen, dass die WM 2018 an einen europäischen Verband vergeben wird. Aus dem europäischen Verband UEFA muss England sich gegen Russland und die Doppelbewerber Belgien/Niederlande und Spanien/Portugal durchsetzen.

FIFA-Präsident Joseph Blatter hatte sich im Oktober „persönlich beeindruckt“ von Englands Bewerbung gezeigt. „England könnte schon morgen eine WM organisieren. Das Land plant ein Turnier für die gesamte Welt. Das werde ich so auch dem FIFA-Exekutivkomitee mitteilen“, sagte der Schweizer nach einem Treffen mit Premierminister David Cameron. Insbesondere lobte er die Sicherheit in englischen Stadien.

Bekannt gegeben wird die Entscheidung über die Vergabe der beiden Endrunden am 2. Dezember 2010 in Zürich. Knapp zwei Wochen vor der offiziellen Vergabe hat der Weltverband FIFA seinen Evaluationsbericht zu den Bewerbungen veröffentlicht.

England kam dabei ganz gut weg. Von den 17 englischen WM-Stadien müssten fünf neue gebaut werden, fünf weitere Stadien müssten renoviert werden, sieben Stadien bedürften keiner Renovierungsmaßnahmen. Bemängelt wurden die geringen Trainingsmöglichkeiten und Hotels für die teilnehmenden Mannschaften an den jeweiligen Spielorten. Für England sprächen allerdings die Infrastruktur an den Spielorten und die Erfahrung mit Großveranstaltungen.

Gemischte Kritik gab es für die Doppelbewerber. „Das Konzept mit zwei Gastgeber-Ländern birgt im Hinblick auf einheitliche Standards Herausforderungen“, so der FIFA-Bericht. Problematisch sieht die FIFA auch die Bewerbung Russlands. Hauptproblem ist die schlechte Infrastruktur in dem weitläufigen Land. Ein Ausbau des russischen Verkehrsnetzes mehr Direktflüge zwischen den weit voneinander entfernten Standorten wären für die Austragung der WM demnach dringend erforderlich. Sportwetten führen Russland dennoch als Favoriten an, schließlich wurde dort noch nie eine WM ausgerichtet.

Für Englands Bewerbung ist unterdessen kaum zwei Wochen vor Bekanntgabe des erfolgreichen Bewerbers ein weiteres Hindernis für eine Austragung in England bekannt geworden: Die Bewertungskommission des Weltverbandes FIFA kritisierte die Terminkollision der WM-Endrunde mit dem Tennis-Grand-Slam-Turnier in Wimbledon, das in der Zeit von Ende Juni bis Anfang Juli stattfindet. Die Verantwortlichen fürchten, eine zeitgleiche Austragung könnte Auswirkungen auf das öffentliche Interesse an der WM haben.

Und dazu kommt noch, dass aufgrund einer Undercover-Aktion von Journalisten der Sunday Times zwei Mitglieder des FIFA Exekutivkommitees von der Wahl für 2018/2022 ausgeschlossen wurden, weil sie durch die Journalisten als bestechlich entlarvt worden sein sollen. Ob sich die verbleibenden 22 stimmberechtigten Mitglieder davon negativ beeindrucken lassen und vielleicht wegen dieser Aktion englischer Journalisten gegen das Mutterland des Fußballs voten?

Schön wäre es, wenn es 2018 wieder hieße “football’s coming home” !

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