Zu spät für einen “Trainerwechsel”?

Erfolgsmodell “Interimstrainer”

3:0, 3:0 und 5:1 – drei Resultate von Klubs, die wenige Runden vor Schluss der Meisterschaft ihren Trainer gewechselt haben. Der SK Rapid, Red Bull Salzburg und Bayern München spielen plötzlich befreit auf, nachdem die zuletzt ungeliebten Herren Stevens, Pacult und van Gaal die Kommandobrücke verlassen haben!

Und bei West Ham United… da hat Avram Grant das Steuer noch immer (fest?) in der Hand. Trotz drei Niederlagen hinter einander und einem neuerlichen Abrutschen auf den vorletzten Tabellenplatz! Insgesamt ist “claret and blue” seit fünf Spielen sieglos – und nur fünf Partien sind noch zu spielen bis zum Ende der englischen Liga.

Die nächsten beiden Runden geht es für West Ham auswärts gegen Chelsea und FA Cup-Finalist Manchester City, und dann … wenn man vielleicht fünfmal verloren hat, muss man die letzten drei Spiele gewinnen, um exakt auf die 41 Punkte zu kommen, die Mr. Grant als ausreichend für’s Überleben in der Premier League bezeichnet hat. Blackburn/H, Wigan/A und Sunderland/H heißen die Gegner – allesamt solche, gegen die man sich (vielleicht) einen vollen Erfolg erwarten kann!

Da kommt einem nun die Niederlage gegen Aston Villa am Samstag angesichts dieser Grant’schen 41-Punkte-Ansage vor wie das Verhalten eines faulen Schülers, der meint, er habe immer noch Zeit genug bis zum Schulschluss, um seine schlechten Noten auszubessern und das Sitzenbleiben noch zu verhindern!

Leider ist es alles andere als sicher, dass diese “Entscheidungsprüfungen” bestanden werden! Avram Grant scheint mehr und mehr in seiner eigenen Welt zu leben, die Spieler kaum noch zu erreichen. Dass er mit ihnen wenig kommuniziert, hat jüngst Benni McCarthy bestätigt, der den Klub mittlerweile im beiderseitigen Einvernehmen verlassen hat. Nach der schwachen Darbietung gegen Aston Villa schaut Grants 41-Punkte-Prognose aus wie eine reine Trotzreaktion. Dass Avram Grant der Richtige ist, um den nach einem Zwischenhoch nun wieder gehörig stotternden West Ham-Motor auf Touren zu bringen, die nötigen Punkte zu machen und die Hammers nach 6 Jahren in der PL vor dem Absturz zu bewahren, das ist mehr als zweifelhaft!

Aber was passierte bei jenen drei Klubs – siehe oben -, die nach monatelangen Problemen plötzlich wieder befreit aufspielen? Bei allen dreien wurde der Trainer vorzeitig beurlaubt, gekündigt, entlassen – und bei allen dreien ist kein wirklich neuer Mann am Ruder, sondern eine “Zwischenlösung”, die aller Voraussicht nach nicht länger als bis zum Saisonende dauern soll. Wie die Interimscoaches heißen, muss man erst nachschauen, so unbekannt sind die Namen: Andries Jonker bei den Bayern und Ricardo Moniz bei Salzburg – beide Namen nie gehört! Und Zoran “Zoki” Barisic, den früheren Pacult-Assistenten, der die letzten Jahre beim Rapid-Nachwuchs arbeitete, kennt man wohl auch nur in Wien und Innsbruck. Alle drei haben relativ wenig Druck, von ihnen erwartet man nicht viel – bloß dass die Saison ordentlich zu Ende gespielt wird.

Und plötzlich ist der Druck auch bei der Mannschaft weg, wird befreit aufgespielt: 3:0, 3:0 und 5:1 – wer hätte das gedacht!

In der zweiten Reihe bei West Ham United

Kevin Keen

Ob ein solcher “Trainerwechsel”, der eigentlich nur eine Entfernung des Cheftrainers und die Bestellung eines bisher “näher bei der Mannschaft” tätig gewesenen Coaches ist, auch bei West Ham funktionieren würde?

Nun, da gibt es Paul Groves, den 45-jährigen “senior coach”, der mit Avram Grant aus Portsmouth gekommen ist. Dann haben wir den “first team coach” Kevin Keen (44; rechts) auf der Liste der West Ham “football staff”, er ist seit 2002 beim Klub, zunächst als U17-Trainer in der “Academy” und seit 2002 die meiste Zeit in der Rolle als “first team coach”, der auch zweimal kurz den “caretaker manager” mimen durfte: sowohl nach Alan Pardews als auch nach Alan Curbishleys Abgang war Keen schon “Interimstrainer”.

Und dann haben wir da noch Wally Downes, den sogenannten “defensive coach”, der seit November als Nachfolger des unbeliebten Grant-Assistenten Zeljko Petrovic bei den Hammers ist. Der bald 50-Jährige, der früher schon öfters mit Ex-West Ham-Coach Alan Pardew zusammen gearbeitet hat, fällt vor allem durch seine enthusiastische Art an der Seitenlinie auf, die im krassen Gegensatz zum Cheftrainer steht, dem kaum jemals ein Lächeln auskommt. Die Defensive ist in dieser Saison allerdings immer wieder die Achillesferse bei West Ham gewesen – die Unkonzentriertheiten in der (oft verletzungsbedingt) von Spiel zu Spiel neu zusammen gewürfelten Viererkette konnte “Wally”, der eigentlich die Vornamen Walter John hat, den Herren Upson & Co nicht austreiben!

Paul Groves ist ein Grant-Mann. Der mit dem Israeli aus Portsmouth Gekommene kommt kaum als “caretaker” bei West Ham in Betracht. “Wally” und/oder Kevin Keen müssten es also machen, wenn Avram Grant das Handtuch wirft oder für die letzten fünf Spiele doch noch beurlaubt wird! Dann wäre der Druck vielleicht weg und mit einem “Kumpel” wie Keen könnte man wieder mehr Spaß beim Training – und mehr Erfolg in der Liga – haben. Vielleicht. Aber es wird wohl ohnehin nichts von alledem passieren. Avram Grant bleibt bis zum Saisonende, obwohl er in der nächsten Spielzeit mit ziemlicher Sicherheit ohnehin nicht mehr am Upton Park coachen wird. Er soll als Sportdirektor zu Chelsea zurückkehren. …

Fazit: Die Variante “Interimstrainer” wird’s nicht spielen bei West Ham und nur wenn wir und Avram Grant Glück haben, sehr viel Glück haben, dann bleiben die IRONS trotzdem in der Premier League.

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