Rassismus-Probleme in der Premier League

Beim FA Cupspiel von Liverpool gegen Brighton  Hove Albion am Sonntag stand Luis Suarez endlich wieder wegen seiner eigentlichen Qualitäten im Scheinwerferlicht: dem Toreschießen. Zunächst wünschte sich sein Manager Kenny Dalglish ausdrücklich, dass der Uru einen für Liverpool gegebenen Strafstoß schießen sollte, indem er mit den Fingern dessen Nummer “7″ signalisierte. Doch Suarez vergab. Wenig später aber netzte der umstrittene Stürmer dann doch ein und verhalf Liverpool zu einem klaren 6:1-Sieg und dem Einzug in die 5. Runde des englischen Cupbewerbs. Trotzdem wird sich Suarez noch längere Zeit mit dem Gespenst des Rassismus herumschlagen müssen.

Von André Tuchmann

Political Correctness wird von der englischen FA ernst genommen: Liverpools Uru-Stürmer Luis Suarez (Bild links; Wikipedia) wurde im Vorjahr für 8 Spiele gesperrt, weil er seinen französischen Gegenspieler Patrice Evra (Manchester United) auf dem Spielfeld einen Neger (“Negro”) genannt hatte. Nach dem Ende seiner Sperre wieder im Einsatz, machte sich Suarez erneut keine Freunde: er verweigerte am vorletzten Wochenende, beim jüngsten Zusammentreffen in der Premier League Manchesters Evra den Handschlag.

Der 25-Jährige Uruguayer wird damit zunehmend unsympathisch. Kritik von allen Seiten prasselt auf ihn ein, und das zurecht, denn es handelt sich hierbei um kein kleines Thema auf dem Rasen. Und die Engländer finden das erst recht nicht witzig: rassistische Parolen zu grölen, kann schon mal mit Arrest geahndet werden, und ohne Konsequenzen bleibt ein derartiger impulsiver Ausbruch nie – für vorbildhafte Fußballspieler umso mehr ein Grund, sich zusammen zu reißen, selbst dann, wenn FIFA Präsident Sepp Blatter den Rassismus auf dem Spielfeld für eine “zu vernachlässigende Randerscheinung” hält.

Wie wichtig der englischen FA das “No to racism” ist, zeigt auch der Fall Terry: Chelseas John Terry erwartet für die ihm vorgeworfene rassistische Beschimpfung von Ex-West Ham-Back Anton Ferdinand (jetzt QPR) ein staatliches Gerichtsverfahren, was die FA zur Aberkennung der Kapitänswürde der englischen Nationalmannschaft veranlasste. Und diese Konsequenz führte schließlich sogar dazu, dass England nun – vier Monate vor der EURO – ohne Teamchef dasteht. Bekanntlich fühlte sich der Nationaltrainer der Three Lions, Fabio Capello, bei der Entscheidungsfindung übergangen, verwies darauf, dass Terry noch nicht verurteilt sei, und warf als Teamcoach das Handtuch.

Das Roulette um die Political Correctness auf dem Rasen dreht sich also weiter: mit welcher Strenge und Härte bewertet wird und was überhaupt an die Öffentlichkeit tritt, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Letztlich sind die Verantwortlichen der Premier League sich offenbar darüber im Klaren, dass das Rassismusproblem noch nicht endgültig aus dem Fußball beseitigt ist – keine unbedingt neue Erkenntnis, aber sie veranlasst die FA nun zu immer härteren Sanktionen, die die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem lenken.

Luis Suarez – bei der letzten Copa America der Spieler des Turniers – ist jenseits von Montevideo und Liverpool sicher kein besonders beliebter Charakter im Fußball. Unmanierlich, rüpelhaft, ein schlechter Schauspieler und dazu auch noch rassistisch: das finden die Leute nicht gut, selbst dann, wenn er Leistung bringt. Unterstützung findet er dennoch:  Liverpool-Manager Kenny Dalglish hält ihm – wie man am Sonntag deutlich sehen konnte – noch die Stange. Er deutete auch früher an, dass “Negro” keine übermäßig negative Konnotation für den Uruguayer beinhalte. Die Verweigerung des Handschlages am vorletzten Wochenende wiegt allerdings schwer, enttäuschte wohl alle beim Klub, und Liverpool distanzierte sich enttäuscht. Dennoch: Dalglish freute sich sichtlich, als Suarez im Cupspiel am Sonntag “sein Tor” machte!

Trotzdem heißt es, dass das Ende von Suarez’ Zeit in England absehbar sei, er wird wohl – ausgerechnet – nach Frankreich wechseln. Rassismusdelikte auf dem Spielfeld: da versteht die Premier League keinen Spaß, der Engländer distanziert sich gerne und Suarez merkt, dass man seine Fans nicht im Online Casino gewinnt, sondern mit Respekt für Spiel und Gegner. Bleibt abzuwarten, ob er die Kurve noch kriegt.

One Comment:

  1. rapidhammer said...

    @birdiexy (Twitter): “Und wenn Evra gelogen hat? Und Suarez gar nichts Rassistisches gesagt hat? Kenny D. ist jedenfalls auch dieser Meinung.
    “… und diesem E. hätte ich die Hand auch nicht gegeben. Es gibt auch Rassismus, der in die andere Richtung geht.”

    Posted February 21, 2012 at 8:45 AM | Permalink

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