Caroll oder Cole?

Und geht was gegen Manchester City und Carlos Tevez?

Was für eine Frage, wird man sich denken, wenn man die Überschrift ganz oben liest: natürlich gebührt Andy Carroll der Vorzug gegenüber Carlton Cole im Angriff von West Ham United. Aber die beiden Angreifer sind beide noch torlos in dieser Saison, also was spricht für Cole und was für den Liverpool-Leihspieler Andy Carroll?

Für Carlton Cole (rechts im Bild links) selbst interessanterweise sehr viel. Er meinte jüngst in einem Interview, dass ihn die Konkurrenzsituation mit Andy Carroll (links) zu besseren Leistungen auf dem Rasen beflügeln würde:

„Jedes Jahr braucht man Leute, welche dich um die Plätze herausfordern. Einfach weil es gesund für den Verein ist“, sagte der 28-Jährige auf der Vereinshomepage der „Hammers“. In Fußballnachrichten liest man eher selten von Fußballprofis, die sich über einen starken Konkurrenten auf ihrer Position dermaßen freuen. Cole begründet das so: „Ich bin jemand der daran glaubt und man kann leicht selbstzufrieden werden, wenn man Woche für Woche spielt.“

In den letzten vier Spielzeiten hat Carlton Cole stets die meisten Tore für seinen Verein geschossen, in dieser Saison steht das Zählwerk, das 2011/12 immerhin 15 Lige-Tore vermerken konnte, noch auf “null”. Aber auch der Neue vom FC Liverpool hat für West Ham noch nicht getroffen.

Was Carroll aber immerhin schon gelungen ist (neben den schönen Assists für seinen “Spezi” Kevin Nolan und für Vaz Te beim 3:0-Sieg über Fulham bei seinem West Ham-Debüt zum Beispiel!) ist, dass bei West Ham nun endlich so richtig “long ball” gespielt wird. Kriegt etwa James Collins hinten den Ball, dann haut er ihn gleich mit einem weiten Pass nach vorne auf Carroll. Was natürlich nicht immer funktioniert, aber anscheinend die von Sam Allardyce ausgegebene Taktik ist, um den kopfballstarken Teamspieler einzusetzen. Jaja, wir haben’s ja schon immer gewusst, wir traditionell eher auf feines Pass-Spiel (“the West Ham way”) stehenden Hammers-Fans: der “Big Sam” ist ein “long ball merchant”! Die Stastik weist für West Ham die meisten weiten Pässe in der Premier League aus (308, gefolgt von Reading mit 255).

Mit Carlton Cole als Spitze spielte man noch nicht so brutal immer wieder lange Bälle nach vorne, “kick and rush” nennen wir das bekanntlich respektlos bei uns am Kontinent. Aber mit der Lufthoheit, die Carroll im Gegensatz zu dem zwar auch großen, aber nicht so kopfballstarken Cole hat, kauft man Big Sam die “long-Ball”-Taktik offenbar ab. Denn die Fans kommen scharenweise ins Stadion: zum dritten Mal hinter einander ist der Boleyn Ground nun ausverkauft, wenn am Samstag zum “late kick-off” Meister Manchester City auf dem Programm steht (live auf Sky um 18:30 MEZ). Und es wird wohl wieder Andy Carroll in der Startformation stehen, und nicht Carlton Cole, der allerdings dazu meinte:

“Ich freue mich auf die Herausforderung durch Andy Carroll. Er ist einer der besten Angreifer in der Premier League, und das wird mich einfach neu beleben und zu einem besseren Spieler machen”.

Für Andy Carroll spricht, dass er tatsächlich mehr Angst und Schrecken in der gegnerischen Verteidigung verbreiten kann, wenn er wieder einmal höher springt als alle anderen und auf Kevin Nolan ablegt, oder den Ball selbst Richtung Tor köpfelt. Vor allem mit dem angeblichen “Flankengott” Matt Jarvis sollte das durchaus ein Erfolgsrezept sein, wenn… ja wenn die Flanken von Jarvis endlich so kommen, wie wir uns das alle wünschen.

Vielleicht wäre eine etwas abwechslungsreichere Anlage des West Ham-Angriffsspiels aber auch nicht so schlecht, angeblich hat man (laut Opta-Statistik) in der ganzen Saison noch keinen einzigen Steilpass in den leeren Raum gespielt. Werden da keine Laufwege geübt und automatisiert bei “Big Sam”, sondern nur “set pieces” trainiert? Aus Letzteren hat man nämlich die drittmeisten Tore  (5) in der Liga erzielt (nach ManUtd und ManCity).

Vielleicht wird man etwas variantenreicher, wenn diesmal der israelische Nationalspieler Yossi Benayoun (rechts), der leihweise von Chelsea gekommen ist, von Beginn an dabei ist! Mit dem feinen Techniker gemeinsam mit Mark Noble, George McCartney  und  James Collins hat Carlos Tevez, den man am Upton Park auch in den Reihen des Gegners wieder herzlich willkommen heißen wird, 2007 die Hammers sensationell vor dem Abstieg gerettet.Und in dieser Saison 2006/07 hat auch Carlton  Cole ( damals, wie heute, ironischerweise als Reservist)  bereitsmit Yossi Benayoun gemeinsam bei West Ham gespielt, bevor dieser zu Liverpool (und dann zu Chelsea und – leihweise – zu Arsenal) wechselte. Über ihn sagte Carlton Cole: „Yossi hat einen tollen Charakter und ist ein großartiger Spieler – das wissen wir alle. Er ist endlich nach Hause gekommen. Ich finde, er ist zurück, wo er hingehört.“

Auch wenn die Sportwetten gegen Manchester City ein schweres Spiel prognostizieren, die Hammers haben nach dem schwachen Auswärtsspiel gegen Wigan, das mit 1:2 verloren wurde, einiges gutzumachen! Und Sam Allardyce wird seiner Mannschaft, über die man letzte Woche leider sagen musste “they didn’t turn up”, sicher im Training die Hölle heiß gemacht haben. Noch so eine Vorstellung wird sich der strenge Coach nicht bieten lassen.

Und daher kann man durchaus optimistisch sein, dass gegen den Meister ein gutes Resultat herausschaut. 90 Minuten volle Konzentration und Tore von Carroll und Cole (wenn er eingewechselt wird) – das wäre toll!

Post a Comment

Your email is never shared. Required fields are marked *

*
*