Warum gerade die Hammers?

Und warum mich ein SMS über zwei Podolski-Tore hinweggetröstet hat

Warum gerade West Ham?” fragt man allenthalben, wenn die Rede auf den englischen Fußball und meine Begeisterung für den Londoner Klub kommt, der hierzulande wesentlich weniger populär ist als ManU, Liverpool, Chelsea oder Arsenal. Aber meist versteht man dann ganz gut, warum gerade diesem Klub mein Fußballherz gehört.

West Hams und Englands Kapitän Bobby Moore kennt und bewundert man bis heute und auch der englische WM-Titel ist natürlich jedermann bekannt … Und wenn ich dann erzähle, dass das WM-Finale 1966 mit dem legendären “Wembley Goal” in Wahrheit unter dem Motto “West Ham beat West Germany” in die Geschichte eingegangen ist, weil alle Tore West Ham-Spieler (Geoff Hurst 3, Martin Peters 1) erzielt haben und der World Cup von der Queen an Kapitän Bobby Moore übergeben wurde, versteht man schon besser, dass West Ham zu den großen Traditionsklubs in England gehört.

Und dass die “Irons” immerhin einen Europacup ihr eigen nennen (Cup der Cupsieger 1965) und auch drei FA Cup-Siege gefeiert haben, hebt das Ansehen des Klubs ebenso wie der Verweis auf das von manchen live im Fernsehen miterlebte FA Cup Finale 2006 (3:3 n.V.), das West Ham erst im Elferschießen gegen den FC Liverpool verloren hat.

Auch die ausgefallenen, für Mitteleuropa ganz untypischen Vereinsfarben “claret and blue” werden positiv registriert, und dann ist da noch die seit bald 100 Jahren gesungene Vereinshymne mit dem selbstironischen, die Einstellung eines Fußballfans so wunderbar treffenden Text “I’m forever blowing bubbles”.  Ganz besonders schwärme ich natürlich von der Atmosphäre im Stadion Boleyn Ground im East End von London – seit 110 Jahren die Heimstätte von West Ham – aber wirklich hellhörig wird man, wenn ich erwähne, dass man nach den beiden nächsten “seasons” in das Olympiastadion umziehen wird.

Dass es nicht nur Moore, Hurst und Peters von Anno Dazumal gibt, sondern der Klub sich noch immer zurecht “Academy of Football” nennt, verblüfft so manchen Gesprächspartner: Spieler wie Frank Lampard, Michael Carrick, Rio Ferdinand und Joe Cole kennt und schätzt man – und ist überrascht, dass sie alle bei den “Hammers” ausgebildet wurden. Und dass der teuerste “Englishman” der Geschichte, Andy Carroll, aktuell bei West Ham spielt und dass vor ein paar Jahren ein gewisser Carlos Tevez seine ersten Goals im europäischen Klubfußball just für meine “Irons” erzielte, hebt das Interesse an dem Klub, für den ich schwärme, weiter und macht meine Begeisterung für die Hammers verständlicher. Schade nur, dass ich bei der Erwähnung von Mark Noble noch immer kein “Aaah, den kenne ich” ernte… denn der Eigenbauspieler und “Hammer of the Year” der vergangenen Saison sollte doch eigentlich längst ein “regular” im Mittelfeld des englischen Teams sein!

Es freut mich, wenn ich mit meinen Matchberichten aus London und meinen Erzählungen über die reiche Geschichte von West Ham Interesse an dem Klub wecken kann. Aber dass ich dann sogar am Tag nach einer Niederlage von jemandem, der sich bisher sicher nicht für die Hammers interessiert hat, ein SMS mit dem Text “bloody Podolski” erhalte, das baut mich besonders auf!

Ein gewisses Quantum Trost kann man als Fan von West Ham immer gut gebrauchen!

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