Last Day of the Season

Während des letzten Spieles der Saison 2014/15 schreibe ich diesen kurzen Rückblick. Mit einem Glas Wein und einer Packung Salt & Vinegar Chips versuche ich, mir vom gerade aktuellen Spielstand von 0:1 gegen meine “Hammers” nicht die Stimmung verderben zu lassen (Newcastle United ist gerade gegen West Ham in Führung gegangen). Aber die zweite Hälfte dieser Spielzeit war insgesamt nicht dazu angetan, den West Ham-Anhänger sehr freudig zu stimmen. Wie heißt es doch im Lied von den “Bubbles”: “They fly so high, nearly reach the sky … but then they burst and die”. Wieder einmal…

Die Saison begann vor 9 Monaten mit einem Heimspiel gegen Tottenham und endet nun mit der Auswärtspartie gegen Newcastle United. Für Newcastle geht’s gegen den Abstieg, für West Ham vielleicht noch um Platz 10 statt 11, bei einer Niederlage würden die Hammers aber wahrscheinlich nur mehr Platz 12 belegen. Ein “top ten finish” wäre schön, aber es ist nicht mehr realistisch. Trotzdem könnte sich West Ham für “Europe” qualifizieren, wenn man in der Fair Play League auf einem Spitzenplatz bleibt, denn England erhält einen zusätzlichen Europa League-Startplatz, den nach derzeitigem Tabellenstand West Ham einnehmen würde.

Begonnen hat die Liga im August im Boleyn Ground mit einem guten Spiel der Hammers, das aber 0:1 verloren ging. Durch ein Tor in der Nachspielzeit von Spurs-Verteidiger Eric Dier (93. Minute). Und die last minute goals, die West Ham Punkte kosten, sollten in dieser Spielzeit zu einer schlechten Angewohnheit werden.

Nach einem eher gemischten ersten Saisonmonat ging es ab Mitte September allerdings zuerst steil bergauf. 3:1-Heimsieg gegen Liverpool mit einer phantastischen Performance, Siege gegen QPR und Burnley und dann ein vielbeachteter 2:1-Heimsieg gegen Meister Manchester City. Im Dezember schließlich noch ein verdientes 3:1 gegen Swansea und einen Tag lang lag man sogar an der 3. Stelle in der Premier League Tabelle!

Doch dann kam Weihnachten, dann kamen Verletzungen (Andy Carroll fehlte insgesamt wohl zwei Drittel der Saison!), und der berühmte Satz “West Ham is going down with the Christmas decorations” beanspruchte seine Gültigkeit. Außerdem entwickelte man in East London das “injury time syndrome” - eine Erkrankung, die im FA Cup gegen Everton begann, als Lukaku mit dem ersten seiner Tore gegen West Ham in dieser Saison in der 91. Minute auf 1:1 stellte. Das Syndrom trat dann auch in der Meisterschaft gehäuft auf und bis zum letzten Spiel konnten die “Irons” sich nicht mehr von dieser Krankheit, die mindestens acht Punkte kostete, erholen.

Im Februar spielte man wieder einmal sehr gut, zu Hause gegen Manchester Utd lag man bis zur 91. Minute 1:0 in Führung, hätte nun nach Liverpool und Man City auch die “Red Devils” besiegen können. Aber der Holländer Blind sorgte mit einem Gewaltschuss nach schlechter West Ham-Abwehr in der 92. Minute noch für das 1:1.

Im selben Monat ging es auswärts gegen Tottenham, gegen das schon im ersten Saisonspiel ein injury time goal für eine unverdiente Niederlage gesorgt hatte. Noch in der 95. Minute führte West Ham 2:1, doch dann brachte ein – erst im Nachschuss verwerteter – Elfer von Kane den Spurs noch den 2:2-Ausgleich an der White Hart Lane. Wieder ein Unentschieden, das sich wie eine Niederlage anfühlte!

Im März konnte West Ham einmal selbst durch ein spätes, wenn auch noch in der regulären Spielzeit erzieltes Goal gewinnen (1:0 gegen Sunderland; Sakho, 88.). Aber im April gingen durch später Gegentore wieder 5 Punkte verloren:

Gegen Leicester, zu Weihnachten noch Letzter, aber mittlerweile auf dem Weg zu einem “great escape”, musste man in Minute 86 das 1:2 hinnehmen (Torschütze King) und gegen Stoke war es der Österreicher Marko Arnautovic, der nach zwei aberkannten Toren im selben Spiel in der 95. Minute doch noch zum 1:1-Ausgleich für die Potters traf. West Ham konnte man wieder einmal vorhalten, nicht in der Lage zu sein, ein Spiel konzentriert zu Ende zu bringen (“to see the game out”), und nicht den Willen und unbedingten Einsatz von Arnautovic zu haben, der sich durch seine Fehlversuche nicht entmutigen ließ und “sein” Tor doch noch machte!

Letztes Heimspiel dann gegen Everton. Und wie konnte es anders sein: West Ham führte 1:0, verlor aber 1:2, und das Tor – sein viertes in dieser Saison gegen die Hammers – schoss Romelu Lukaku in der 93. Minute.

Und soeben klingelt mein iPhone: neuerlicher Toralarm im letzten Meisterschaftsspiel gegen Newcastle! Wer hat getroffen? Natürlich die Magpies, die mit dem 2:0 durch Gutierrez in der 85. Minute nun aller Abstiegssorgen ledig sind. Jetzt könnte Hull selbst mit einem Sieg gegen Manchester United Newcastle nicht mehr einholen. Und West Ham rutscht auf Platz 12 zurück, wird wohl auch noch vom Team von Ex-Manager Alan Pardew, Crystal Palace, überholt werden!

Schlusspfiffe auf allen 10 Plätzen, der Vorhang fällt für die PL-Saison 2014/15 – Meister Chelsea gewinnt auch sein letztes Spiel und feiert an der Stamford Bridge, und West Ham beendet das Frühjahr mit einem 0:2 im St. James Park von Newcastle. Es wird wohl das letzte Spiel für Manager Sam Allardyce gewesen sein. Stoke hat Liverpool mit 6:1 gedemütigt, aber immerhin hat Steven Gerrard in seinem letzten Spiel in England noch das “consolation goal” für die enttäuschenden Reds erzielt. Auch die sind, je länger die Saison dauerte, immer mehr eingegangen und wurden nun noch von Tottenham vom 5. Platz verdrängt.

Kleiner Trost für uns West Ham-Anhänger vom scheidenden Liverpool-Kapitän Steven Gerrard: vor Kurzem meinte er, neben den Fans seines eigenen Teams seien die “supporters” von West Ham etwas ganz Besonderes. Sie würden wegen ihres fairen sportlichen Verhaltens beim FA Cup Finale in Cardiff immer einen Platz in seinem Herzen haben. Das FA Cup Finale 2006 gegen Liverpool hätte West Ham übrigens gewonnen, wenn Gerrard nicht in der “injury time” für Liverpool noch ausgeglichen hätte. Das kommt mir irgendwie bekannt vor…

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