Still old West Ham?

Zu einem der letzten Spiele von West Ham im alten Stadion am Upton Park zu kommen, war mir in diesem Frühjahr nicht möglich. Zwei Mal hatten wir Tickets, beide Male klappte es dann nicht mit der Reise nach East London zum Boleyn Ground. Die letzte Chance, noch einmal den “hallowed turf” des seit 1904 bespielten Stadions zu sehen, war nun – so dachte ich – ein Aufenthalt im West Ham Hotel. Im Mai buchte ich im “iBooking Hotel System” eine Nacht in West Hams Hotel mit Blick auf den Rasen. Aber auch daraus wurde nichts.

Am Wochenende vor der Abreise gab es nämlich die große Enttäuschung: das Hotel schloss am 12. Juni, wenige Tage bevor wir anreisten, endgültig seine Pforten. Verständigt davon hatte man uns allerdings nicht. Hätte ich nicht einen Blick auf einen West Ham-Blog geworfen, der vom letzten Tag des Hotels berichtete, wären wir an einem Donnerstag Abend in der Green Street vor verschlossenen Türen gestanden und hätten in der Nacht eine Bleibe in London suchen müssen.

Typisch West Ham kann man da nur wieder einmal sagen, denn bei diesem Klub ging seit vielen, vielen Jahren schief, was schief gehen konnte… Man denke nur an das durch ein Last Minute-Tor in das schlussendlich verlorene Elferschießen gegangene FA Cupfinale, die Carlos Tevez-Saga, den Konkurs der isländischen Eigentümer, die Verpflichtung von Avram Grant als Manager und den Abstieg in die Championship …

Bloß hatte sich in der zu Ende gegangenen Saison und mit dem bevorstehenden Umzug in das Olympiastadion viel geändert. Dimitri Payet, Mark Noble, Michail Antonio und all die anderen spielten unter Manager Slaven Bilic eine begeisternde Saison, schlugen alle die großen Klubs wie Manchester City, Arsenal, Chelsea, Tottenham und Liverpool. Zwar schied man im FA Cup-Viertelfinale aus, bescherte uns aber beim Abschiedsspiel vom Upton Park einen filmreifen Abend mit einem 3:2-Sieg gegen Manchester United. Die Abschiedsshow und der Umzug waren professionell vorbereitet, der Klub hat sich ab der Übersiedlung in das neue Stadion ein neues badge ohne Boleyn Castle darauf gegeben, und man hat den Eindruck, dass da nun etwas Großes – vielleicht aber auch etwas irgendwie Unpersönliches und allzu Kommerzielles – entsteht.

Dass das Hotel nun schloss, ohne mich davon zu verständigen, lässt mir den Klub nun geradezu wieder ein bisschen mehr “still old West Ham” erscheinen.

Aber die Zukunft ist nicht aufzuhalten. Am Donnerstag, den 23. Juni, dem Tag der Brexit-Abstimmung in Großbritannien, öffnete der neue stadium-store im Olympiastadion. Und in ein paar Wochen, kaum mehr als einem Monat wird das Stadion mit dem ersten West Ham-Spiel dann wirklich zum neuen “Home of the Hammers” werden.

An die 50.000 season tickets wurden verkauft, die Euphorie ist anscheinend riesig. Wollen wir hoffen, dass der Transfermarkt den einen oder anderen erschwinglichen Spieler für die Hammers zu bieten hat und man ähnlich erfolgreich wie 2015 in die nächste, am 13. August mit einem Auswärtsspiel gegen Chelsea beginnende Saison startet. Das erste Heimspiel im Queen Elizabeth Olympic Park findet dann am 20. August gegen Bournemouth statt. Vorher aber wird man schon ein Europa League Match, dessen Gegner noch nicht feststeht, und das offizielle Eröffnungsmatch gegen den italienischen Meister Juventus Turin im Olympia Stadion spielen.

Fixtures 2016/17: http://www.bbc.com/sport/football/teams/west-ham-united/fixtures

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